Geschichte Reinswidls

Reinswidl - früher auch Reinswiedl geschrieben, aber auch in einer historischen Karte als Reinswinkel verzeichnet - könnte sich aus den Worten Rain und -wied zusammensetzen.

  • Rain, -rain

    Roan = Ackergrenze
    (von rain =angrenzen
    Rain = unbebauter Grasstreifen als Ackergrenze, begrenzende Bodenerhöhung
    althochdeutsch. rein, mittelhochdeutsch rein
    mit den rainen - an einander stoßen, bezüglich der Felder und Grundstücke, grenzen)

  • Wied-, -wied

    Topografischer Name für Wald
    mittelhochdeutsch wit(e) = Gebüsch, Wald, Gehölz,
    althochdeutsch witu = Holz

Reinswidler Wintersonne
Reinswidl

Reinswidl

(Quelle: Land NÖ)

Somit könnte das - jetzt nördlich von Reikersdorf und Hainstetten benannte Gebiet - von der Bedeutung her "an den Wald, (das Holz) angrenzend" mit Reinswidl benannt worden sein.
Wie aus der Beschreibung von 1837 hervorgeht dürfte Reinswiedl ursprünglich ein Hausname gewesen sein. In alten Karten war Reinswidl westlich von Hainstetten - nahe zweier Höfe - verzeichnet.

Über die Geschichte von Reinswidl selbst gibt es in den Chroniken nicht sehr viel zu finden. Die umliegenden Ortschaften Hainstetten und Seisenegg mit ihren Schlössern und Viehdorf sind da schon Geschichtsträchtiger.

Hier einige chronologische Erwähnungen:

ca. 1300 - Eine Hube in Reinswidl...

Im Buch von Joseph Chmel - der österreichische Geschichtsforscher - findet sich folgender Eintrag einer Urkunde:

33. s. d. (c. 1300.) Magi ter H. von St. Petronell, Canonicus von
Ardacker, vermacht unter gewi en Bedingungen mehrere Grund tücke den
Capitularen zu Ardacker; eines zu Ardacker, eine Hube in Reinswidl, eine
Wie e in Tanwie en, dann ein zweites Grund tück (aream) neb t dem Zehente
in Winklarn. K. III. S. 139.

(Chronologi ches Verzeichniß
der in den acht Jahrgängen der ö terreichi chen hi tori
chen Zeit chrift (Archiv u. . w.) enthaltenen Urkunden,
Briefe und Acten tücke.
(MH. bezeichnet Mühlfeld Hohler, R. Ridler, K. Kaltenbaeck.)


Erklärung Hube

Die Hube oder Hufe bezeichnet sowohl die Hofstelle, das Eigentumsrecht und die Nutzungsrechte an der Allmende (Gemeinschafts- oder Genossenschaftsbesitz), die einem Mitglied der bäuerlichen Gemeinde zustanden, als auch die von ihm bewirtschaftete Fläche. Daher ist sie auch ein Flächenmaß, regional sehr unterschiedlich groß, entsprechend der örtlichen Bodenschätzung (Bonitierung), also der Ertragsleistung der Böden. Insofern ist sie auch ein Maß für die Wirtschaftsleistung eines landwirtschaftlichen Betriebes, die Hube entsprach etwa der Grundgröße, die nötig ist, einer Bauersfamilie ein Auskommen zu gewährleisten. Damit sind die unterschiedlichen lokalen wie zeitlichen Definitionen der Hube auch eine wichtige historisch-agrarsoziologische Kenngröße.

siehe auch Wikipedia

1837 - Die Häuser der Rotte

Aus dem Buch "Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens, durch umfassende Beschreibung aller Ruinen, Schlösser, Herrschaften, Städte, Märkte, Dörfer, Rotten" von Franz Xavier Joseph Schweickhardt (Ritter von Sickingen):

Hainstetten
Eine Rotte von 8 zerstreuten Häusern, wovon Amstetten die nächste Poststation ist.
Diese gehört zur Pfarre und Schule nach Viehdorf. Das Landgericht und die Conscriptionsobrigkeit nebst Ortsherrlichkeit gehört der Herrschaft Seisenegg. Grunddominien gibt es mehrere, welche hierorts behauste Unterthanen haben; diese sind: Ardagger, Hainstetten, Kröllendorf, Seisenegg und die Kirche Amstetten. Der Werbkreis ist dem 49. Linien-Infanterie-Regiment zugewiesen.
Hier befinden sich 9 Familien, 21 männliche, 22 weibliche Personen und 5 schulische Kinder. Der Viehstand zählt 2 Pferde, 8 Ochsen, 17 Kühe, 5 Schafe und 4 Schweine.
Die Einwohner sind Landbauern, welche sich mit den Feldbau, der Obstpflege und Viehzucht befassen.

Die Häuser der Rotte liegen zerstreut, nahe bei den geschlossenen Häusern von Hainstetten, welches einen eigene Herrschaft ist, und die wir bereits beschrieben haben, auf welche wir den geehrten Leser verweisen, hierbei aber nur noch bemerken, daß diese 8 Häuser zur Ortsherrlichkeit von Seisenegg gehören, und die eigenen Namen: Reinswiedl, Wolfsgrub, Weg, Reitl und Gartwinklern führen.
Als Sage oder alte Prophezeiung verdient bemerkt zu werden, daß sich die Donau von Ardagger her, durch diese Gegend noch einstmal Bahn brechen wird. Es ist wohl allerdings wahr, daß die Donau bei Ardagger eine auffallende halbzirkelförmige Krümmung gegen Süden bildet; in wie ferne aber dieser Ausbuch in der Folge sich ganz nach Süden wenden, und in dieser Richtung ein neues Rinnsel sich auswühlen soll, dies vermag selbst der geschickteste Hydrauliker nicht zu bestimmen, auch nicht einmal abzusehen.

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